Auffällig unauffällig

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Maria Zens – Bildungsreferentin im Sozial- und Gesundheitswesen, Dipl. Heilpädagogin, Dipl. Sozialarbeiterin, Religionspädagogin
Wenn die Fachlichkeit beginnt leise Fragen zu stellen. Weil Kinder still werden und Erwachsene hellhörig.

Auffällig unauffällige Kinder sind nicht per Definition auffällig. Und doch fallen sie uns auf, weil sie weniger aktiv, weniger lebendig und stiller sind als die meisten anderen Kinder. So lange sie sich dennoch gut entwickeln und die Meilensteine der kindlichen Entwicklung regelrecht erreichen, besteht kein Grund zur Sorge und zur aktiven Veränderung der Situation.

Spricht jedoch einiges dafür, dass die Schüchternheit mehr ist als eine Veranlagung, als ein Temperament, so Bedarf diese Vermutung einiger Überlegungen, Beobachtungen und pädagogischer Diagnostik, um eine Arbeitshypothese zu entwickeln und in der Folge Unterstützungsangebote zu planen.

Um die rechte Hypothese aufstellen zu können, sind persönliche, systemische und medizinisch-psychologische Aspekte zu prüfen und abzuwägen. Dies geschieht im Idealfall in Kooperation mit den Eltern.

Wichtig zu wissen: Es ist ganz natürlich, wenn Mädchen häufiger betroffen sind als Jungs. Die männlichen Hormone (Testosteron) sorgen dafür, dass Jungs in der Regel lauter, lebendiger und wilder sind als Mädchen. Es gibt natürlich viele Ausnahmen. Aber von Jungs kennen wir eher das herausfordernde Verhalten als das unauffällige.

Passgenaue Unterstützungsangebote können entwickelt werden durch eine genaue Analyse der Lebensbedingungen zu Hause, der Alltagsbedingungen in der Kita und der Persönlichkeit des Kindes. Sie sind immer in Kooperation mit dem Kind zu entwickeln, denn das Kind möchte kooperieren und seine Situation aktiv verändern. Dazu braucht es unbedingt die Möglichkeit zur Partizipation.

Es braucht auch unbedingt die Kindergruppe. Denn Kinder lernen miteinander und entwickeln sich miteinander. Vom Prinzip der Patenschaften durch ältere Kinder profitieren solche Kinder ganz besonders.

Wenn wir ein Kind richtig „lesen“ können, dann gelingt auch die optimale Begleitung. Dafür brauchen wir Zeit und Gelegenheit. Geplante und spontane Beobachtungen und Dokumentationen bringen uns weiter.

Die gute Botschaft zum Schluss: Schüchternheit als Persönlichkeitsmerkmal ist nicht pathologisch und wer mutiger werden möchte, dem / der wir es auch gelingen.

Seminare der Bildungswerkstatt zum Thema Auffällig unauffällige Kinder:

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