Umweltbildung in der Kita – Auf dem Weg zur „Fairen Kita“
Brigitte Holz-Schöttler – Erzieherin mit Montessori-Diplom, Entwicklungspsychologische Beraterin, Fachkraft für Inklusion, Konzentrationstrainerin, Zertifikat für Positive Psychotherapie
Umweltbildung in der frühen Kindheit ist weit mehr als Basteln mit Naturmaterialien oder das Beobachten von Regenwürmern im Garten. Sie ist ein zentraler Baustein dafür, dass Kinder ein nachhaltiges Verständnis für ihre Umwelt entwickeln und damit die Grundlage für verantwortungsvolles Handeln im späteren Leben. Das Konzept der „Fairen Kita“ knüpft genau hier an: Es verbindet ökologische Bildung mit globaler Gerechtigkeit und zeigt Kindern, wie ihr eigenes Handeln mit der Welt zusammenhängt.
Warum Umweltbildung schon in der Kita beginnt und beginnen muss
Kinder sind neugierig, offen und voller Fragen. Sie wollen wissen, warum Blumen wachsen, weshalb Müll getrennt wird oder wieso manche Tiere geschützt werden müssen. Diese natürliche Neugier ist der ideale Ausgangspunkt, um ökologische Themen spielerisch und alltagsnah zu vermitteln.
Wichtige Ziele der Umweltbildung in der Kita:
- Natur erleben: Kinder sollen Natur nicht nur erklärt bekommen, sondern aktiv erfahren. Das funktioniert gut im Garten, Wald oder auf dem Spielplatz.
- Zusammenhänge verstehen: Warum ist Wasser wertvoll? Wieso brauchen wir Bienen?
- Handlungsfähigkeit stärken: Kinder lernen, dass ihr Verhalten einen Unterschied macht, sei es beim Energiesparen oder beim Umgang mit Ressourcen.
- Positive Emotionen fördern: Wer Natur liebt, schützt sie auch.
Was bedeutet „Faire Kita“?
Eine Faire Kita verbindet Umweltbildung mit dem Gedanken der Fairness gegenüber Menschen, Tieren und der Natur. Das Konzept stammt aus der Bildungsarbeit für nachhaltige Entwicklung (BNE) und zeigt Kindern, dass Nachhaltigkeit nicht nur lokal, sondern global wirkt.
Elemente einer Fairen Kita:
- Fairer Konsum: Bewusste Auswahl von Lebensmitteln und Materialien, z. B. fair gehandelter Kakao oder nachhaltige Bastelmaterialien.
- Globale Perspektiven: Geschichten, Bilderbücher und Projekte zeigen, wie Kinder in anderen Ländern leben und warum Fairness wichtig ist.
- Partizipation: Kinder werden aktiv einbezogen. Sie entscheiden mit, welches Gemüse im Kita-Garten angebaut wird, wie das nächste Fairtrade-Frühstück gestaltet wird oder welche Regeln zum Energiesparen in der Gruppe gelten.
- Gemeinschaft: Eltern, Erzieher*innen und Kinder gestalten gemeinsam eine nachhaltige Kita-Kultur.
Praxisideen für Umweltbildung in der Fairen Kita
- Naturtage und Waldwochen: Regelmäßige Ausflüge in den Wald oder Park fördern Naturverbundenheit und stärken motorische Fähigkeiten.
- Fairer Frühstückstisch: Gemeinsam wird überlegt: Woher kommt unser Obst? Was bedeutet „fair gehandelt“? Unter welchen Bedingungen werden tierische Produkte produziert und was hat „Nutztierhaltung“ für Auswirkungen auf die Umwelt und die Tiere?
- Müll-Detektive: Kinder sortieren Müll, gestalten Plakate und überlegen, wie Abfall vermieden werden kann.
- Kita-Garten oder Hochbeete: Selbst säen, pflegen und ernten – ein direkter Zugang zu Kreisläufen und Verantwortung.
- Geschichten aus der Welt: Bücher über Kinder aus anderen Ländern eröffnen Perspektiven und fördern Empathie.
- Reparatur- und Upcycling-Werkstatt: Kaputte Spielsachen werden repariert, Verpackungen kreativ wiederverwendet – ein spielerischer Einstieg in Ressourcenschonung.
Warum Umweltbildung und Fairness zusammengehören
Kinder lernen am besten durch konkrete Erfahrungen. Wenn sie sehen, dass ihr Handeln Auswirkungen hat, entwickeln sie ein Gefühl für Verantwortung und Gerechtigkeit, zum Beispiel beim Wassersparen oder beim fairen Frühstück. Die Faire Kita schafft dafür einen Rahmen, der ökologische und soziale Themen verbindet.
Fazit
Umweltbildung in der Kita ist ein Geschenk an die Zukunft. Sie stärkt Kinder darin, achtsam, neugierig und verantwortungsvoll zu handeln. Die Faire Kita geht einen Schritt weiter und zeigt, dass Nachhaltigkeit immer auch Fairness gegenüber unserer Umwelt und den Menschen weltweit bedeutet. Wenn Kitas diesen Weg gemeinsam mit Kindern, Eltern und dem Team gehen, entsteht ein Lernort, der nicht nur bildet, sondern inspiriert.
