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Und wo ist Opa jetzt?

Maria Zens – Bildungsreferentin im Sozial- und Gesundheitswesen, Dipl. Heilpädagogin, Dipl. Sozialarbeiterin, Religionspädagogin
Abschied, Tod und Trauer gehören zum Leben.

Viele Menschen sind der Meinung, dass Kinder über das Thema Tod und Trauer naturgemäß noch nicht nachdenken oder dass man sie vor diesem schwierigen Thema schützen sollte. Der Tod gehört aber zum Leben dazu und erfordert von allen Menschen jeden Alters, sich immer wieder neu damit auseinanderzusetzen.

Bei Kindern geht es vielleicht zu Beginn um ein totes Insekt, das auf der Wiese gefunden wird. Irgendwann ist es der tote Vogel am Straßenrand oder sogar ein Haustier, das die Kinder zum Trauern und Nachdenken bringt. Und dann kommt der Tag, an dem jemand aus der Familie stirbt oder ein Freund der Familie.

Im frühen Alter haben Kinder noch keine genaue Vorstellung davon, was Tot-Sein bedeutet. Sie stellen sich vor, dass Tot-Sein ein vorübergehender Zustand ist. So, als könnte das Tier oder der Mensch wieder lebendig werden, als schlafe er nur. Erwachsene wissen um die Endlichkeit des Todes. Bei Kindern aber ist das nicht so.

Daher müssen wir uns nicht sorgen, wenn Kinder Todesnachrichten erfahren. Manche stellen sich vor, dass der / die Tote nach einem langen Schlaf plötzlich wieder aufsteht und sein Leben geht einfach weiter. Diese unreife Vorstellung schützt Kinder vor der allzu großen Belastung, die wir Erwachsene oft erleben, wenn ein geliebter Mensch stirbt. Wir wissen um die Endlichkeit des Todes und erfassen seine Bedeutung sofort.

Kinder gehen damit auf ihre Weise um, jedes anders. Sie zeigen oft Mitgefühl für ihre Eltern, weil sie deren tiefe Trauer spüren. Und das kann sie verunsichern. Wenn der gestorbene Mensch doch nur schläft, warum trauern die Eltern dann? Was den Kindern jetzt hilft, das ist Aufmerksamkeit und Gesprächsbereitschaft.

Kinder haben Fragen, möchten verstehen und in den Prozess eingebunden werden. Meist finden sie ihre eigenen kreativen Bewältigungsstrategien, wenn wir sie ihnen zugestehen. Es mag sein, dass sie gleich spielen wollen, malen, auf den Spielplatz gehen, sich mit Freunden treffen und Spaß haben. Das irritiert die Erwachsenen vielleicht. Dabei ist ein ganz natürliches und gesundes Verhalten.

Um Abschied zu nehmen können kleine Rituale helfen und besondere Erinnerungsmomente. Man kann mit den Kindern eine kleine Erinnerungskiste basteln, bemalen und füllen. Vielleicht legt man Fotos vom Verstorbenen, Erinnerungsstücke, etwas Süßes, etwas zum Riechen, ein kleines Spielzeug, das man mit ihm in Verbindung bringt hinein. Auf diese Weise wird das Trauererlebnis mit allen Sinnen wahrgenommen und gleichzeitig verarbeitet.

Das Leben ist abschiedlich und das können Kinder früh als Selbstverständlichkeit annehmen lernen. Auch ein Erinnerungsort, ein Platz auf dem Tisch oder Schrank, mit Kerze, Foto, Blume, bemalten Steinen etc. kann der Familie bei der Trauer helfen und dem Verstorbenen einen Platz erhalten.

Es gibt wunderschöne Bilderbücher zum Thema Tod und Trauer. Manchmal tut es gut, über jemand anderen zu sprechen, der traurig ist. Eine Geschichte wird zum Medium, zur Brücke. Die Trauer ist nicht zu groß und nicht zu nah, wenn kleine Helden im Buch sie erleben, statt man selbst. Bilderbuchgeschichten sind wie Balsam für die kindlichen Seele.

Trauer gehört zum Leben, wie der Schatten zum Sonnenschein.

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